Der Literat Gottfried Benn: Kämpfte schon in jungen Jahren für das Recht auf Abtreibung
Wie in jedem Jahr gibt es auch heuer viele runde Jubiläen zu feiern: Beispielsweise Marylin Monroe (100. Geburtstag), Wolfgang Amadeus Mozart (270. Geburtstag), Agatha Christie (50. Todestag), Königin Elisabeth II (100. Geburtstag) und viele viele andere.
Doch nur zu leicht vergisst man bei der Rückschau auf Lebensleistungen auf ihre Erfolge in jungen Jahren. Dem helfen wir heute nach: Der deutsche Schriftsteller Gottfried Benn (1886-1956), dessen Todestag sich im Juli zum 70. Mal jährt, war gerade erst 26 Jahre alt, als er das Gedicht „Curettage“ verfasste, in dem es um Abtreibung ging. Bei der Curettage/Kürettage wird die Gebärmutter unter Narkose mit einem löffelartigen Instrument ausgeschabt.
Nun liegt sie in derselben Pose / wie sie empfing / Die Schenkel lose / im Eisenring.
Der Kopf verströmt und ohne Dauer/ als ob sie rief: / gib, gib ich gurgle deine Schauer / bis in mein Tief.
Der Leib noch stark von wenig Äther / und wirft sich zu: / nach uns die Sintflut und das Später / nur du, nur du ..
Die Wände fallen, Tische und Stühle / sind alle voll von Wesen, krank / nach Blutung, lechzendem Gewühle / und einem nahen Untergang.
Im selben Jahr (1912) hatte Benn zum Doktor der Medizin promoviert, war viele Jahre als Arzt tätig, konzentrierte sich aber mehr auf sein literarisches Schaffen. Den Anstoß zum Gedicht „Curettage“ scheinen einerseits eigene Erfahrungen gegeben zu haben – er war für seine erotischen Abenteuer bekannt.
Gleichzeitig nahm Benn aber damit auch Stellung im Kampf um die Abschaffung des Verbots der Abtreibung in der Weimarer Republik (1918-1933): Abtreibung war grundsätzlich verboten und stand unter schwerer Strafe. 1928 äußerte sich Benn offen für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch (Essay ‚Dein Körper gehört Dir‘).
Gottfried Benn ist nur einer von unzähligen Künstlern, die sich mit Themen der ungewollten Schwangerschaft auseinandergesetzt haben: Von Friedrich Schiller über Arthus Schnitzler bis Helmut Qualtinger, von Emile Zola über Bertold Brecht bis Traude Veran etc. etc. Auf unserer Homepage haben wir mehr als einhundert einschlägige Literaturzitate gestellt. Für Hinweise durch unsere LeserInnen sind wir dankbar.
Wir danken Maxima Heidel, TU Braunschweig, für ihren Hinweis auf Gottfried Benn in ihrer Hausarbeit „Die Darstellung von Schwangerschaftsabbrüchen in Literatur zwischen 1890 und 1930“, 2025
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