‚Natürliche‘ Verhütungsmethoden: Elefantendung, Petersilie, Hüpfen

Im Prinzip will die Natur nicht verhüten – ganz im Gegenteil: Fortpflanzung und Vermehrung sind Naturgesetze. Wenn frau trotzdem nicht 12 bis 14 Mal in ihrem Leben schwanger werden will, muss sie rechtzeitig vorsorgen. ‚Kein Sex‘ ist die garantiert wirksamste Methode!

 

Doch vielleicht hat die Natur selbst etwas anzubieten? (Wir übernehmen keine Verantwortung für den Erfolg!)

 

Da gibt es beispielsweise Krokodils- oder Elefantendung, der in Form kleiner Kügelchen in die Scheide eingeführt wurde, weil Inhaltsstoffe des Kotes eine spermienabtötende oder zumindest spermienbremsende Wirkung haben sollen: Etwa 1850 vor Christi entstand in Ägypten der so genannte ‚Papyrus Kahun‘, der auch Rezepte für Frauenkrankheiten enthält. Eine Passage beschäftigt sich mit Verhütungsmitteln und empfiehlt: „Nicht zulassen, dass eine Frau schwanger wird. Kot des Krokodils werde zerstoßen in gegorenem Pflanzenschleim...“ Auch mehr als 1000 Jahre später finden sich in der arabischen Literatur Empfehlungen zur Verwendung von Tierkot als Verhütungsmittel, etwa in Avicennas ‚Kanon der Medizin’ aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. In diesem Werk werden nicht Krokodilsexkremente empfohlen, sondern Elefantenkot. Über die Wirksamkeit dieser Methoden liegen leider keine Statistiken vor.

 

In der Literatur empfohlen wird auch die Verwendung von Zitronensaft, laut Überlieferung ein Trick von Casanova aus dem 18. Jahrhundert: Eine halbierte Zitrone wird ausgepresst und die umgedrehte Schale wie eine Kappe über den Muttermund gestülpt. Zitronensaft enthält nämlich eine schwache Konzentration von Zitronensäure, die die Spermien in ihrer Bewegung blockiert oder bremst. Auch Scheidenspülungen mit Zitronensaft können die Befruchtung angeblich verhindern, nämlich dann, wenn die Spermien noch in der Scheide erreicht werden und nicht bereits Richtung Gebärmutter weitergeeilt sind. 1 bis 2 Esslöffel Zitronensaft auf einen Viertelliter Wasser wurden verwendet. 

 

Ohne uns in Glaubensfragen einzumischen, möchten wir auch das Thema ‚Beten‘ erwähnen: Genauso wie Kindersegen vom Himmel erfleht wurde, gab es auch gegensätzliche Bestrebungen, etwa Votivgaben wie die Wachsgurke in unserer Ausstellung. Derartige Hochzeitsgeschenke sollten bis ins 19. Jahrhundert göttliche Hilfe mobilisieren: „Beim Siebenten, o Herr, hör’ auf mit Deinem Segen!“

 

‚Natürliche‘ Methoden wurden auch angewandt, wenn eine Schwangerschaft bereits ‚drohte‘. Hinweise dazu gibt etwa der folgende alte Kinderreim:

„Petersil und Suppenkraut / Wächst in unserm Garten / Unser (Ännchen/Liesel) ist die Braut / Soll nicht länger warten / Roter Wein / Weißer Wein / Morgen soll die Hochzeit sein.“

 

Im Klartext: Rosmarin, Thymian, Petersilie und Suppenkraut galten als Verhütungsmittel, denn in ihnen sind starke ätherische Öle enthalten. Denen ist das zarte Eiweiß des sich beim Eisprung lösenden Eies nicht gewachsen, sodass eine Befruchtung verhindert wird. Diese Pflanzen wurden von den Hebammen an die Frauen weitergegeben oder im eigenen Garten selbst angepflanzt. Die Anwendung war offensichtlich lange Zeit bekannt, denn in dem Hinweis ‚roter Wein’, ‚weißer Wein’ geht es um den Zeitpunkt der Menstruation und der Tage danach.

 

Apropos Alkohol: Schon der berühmte ‚Papyrus Ebers’ aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. befasste sich mit Verhütung. Darin findet sich der Rat, nach dem ‚Akt‘ einen heißen Trunk aus süßem Bier, Sellerie und Öl zur Verhütung zu trinken.

 

Auch ‚Sport‘ kann man versuchen: In der römischen und griechischen Antike wurde Frauen empfohlen, das Sperma durch heftiges Auf- und Abspringen nach dem Geschlechtsakt aus ihrem Uterus zu befördern. Ferner sollte die Frau im Augenblick des Samenergusses den Atem anhalten, sich umgehend nieder hockerln, kräftig niesen, ihre Vagina reinigen und etwas Kaltes trinken. 


Eine andere ‚natürliche‘ Möglichkeit war die Verwendung eines Schwämmchens oder eines Wollbausches, der mit einer Essenz aus Granatapfelkernen, Ingwer und anderen Pflanzenwurzeln, Olivenöl, Honig, Essig, Salzlake, Alaun und diversen Harze getränkt und in die Scheide eingeführt wurde. Dadurch wurde die Säuren-Basen Ausgewogenheit von Scheide und Gebärmutter so beeinflusst, dass die Spermien auf ungünstige Aufnahmebedingungen trafen. Wer ein in Wasser aufgelöstes Konzentrat aus Kupfererz oder Sadebaum trank, sollte für ein ganzes Jahr vor Empfängnis geschützt sein.

Im 4. Jhd. n. Chr. gab es auch Tipps für Männer, wie sie auf natürlichem Weg eine Empfängnis vermeiden könnten: Sie sollten ihr Glied vor dem Beischlaf mit dem Saft des Hahnenkopfes (einem Süßklee aus der Familie der Hülsenfrüchte) oder mit einer Mischung aus Granatapfelsaft mit Essig oder Alaun bestreichen. 


 

 

Quellen: 

Bernard Asbell, Die Pille und wie sie die Welt veränderte, 1998 

Norman E. Himes, Medical History of Contraception, 1936

Robert Jütte, Lust ohne Last – Geschichte der Empfängnisverhütung, 2003

Robert Jütte, Abtreibung und Empfängnisverhütung in der Frühen Neuzeit, 2007

Vincent T. van Vilsteren, Rainer-Maria Weiss, 100.000 Jahre Sex, Über Liebe, Fruchtbarkeit und Wollust – Eine Ausstellung, 2007

Anke Wolf-Graaf, Die verborgene Geschichte der Frauenarbeit, 1983